Historie

Wie alles begann!

2. Mannschaft im Jahr 1922
Stehend: Steimer Johann, Bettscheider Nikolaus, Jost Peter, Quinten Josef, Birringer Josef
Mitte: Wirbel Heinrich, Wamsbach Jakob, Ditzler Josef
Vorne: Alt Alois, Reichert Peter, Bernardy Anton, Betreuer: Veith Theodor

Heute kaum vorstellbar für uns, unter welchen Bedingungen die ersten Körpricher Fußballer ihrem Sport nachgingen. Fußballstiefel, die noch echte kiloschwere Stiefel waren; ein Ball, mit dem unsere heutigen Kicker keinen Pass an den Mann brächten. An saubere Kopfbälle brauchte man gar nicht erst zu denken. Dennoch muss das Spiel viel Spaß gemacht und eine große Anziehungskraft ausgeübt haben. Denn sonst gäbe es unseren Verein SV Borussia Körprich 1912 e.V. heute längst nicht mehr. Groß waren die Widerstände in den Zeiten der beiden Kriege und danach. Man hatte an Anderes, Wichtigeres zu denken als mit elf Mann hinter einem Ball herzurennen. Zweimaliger Wiederaufbau, Hunger, Existenzkampf. Aber vielleicht brachte gerade der Fußball genau die Ablenkung und Entspannung, die zum Leben gehört...

Elf fußballbegeisterten jungen Männern (Jahrgänge 1894/95) ist die Entstehung des Vereines zu verdanken. Mit der Absicht, einen geregelten Spielbetrieb zu schaffen und sich an Verbandsspielen zu beteiligen, gründeten diese Spieler 1912 den Sportverein Borussia Körprich.

Die Vereinsgründer
Bernardy Jakob, Bilsdorfer Peter, Jost Johann, Kriebs Peter, Lehnert Fritz,  Petry Heinrich, Schmitt Nikolaus, Veith Johann, Wamsbach Alfons, Weber Hugo, Wirtz Valentin

Dokumentarisch belegt ist das Gründungsjahr 1912 nicht, sondern überliefert aus den Erinnerungen der Vereinsgründer und Mitglieder. Dass aber schon 1911 in Körprich Fussball gespielt wurde, belegt die Jubiläumsschrift des VFB Dillingen von 1956, in der geschrieben steht:
„...als Fussballsportclub Phönix Dillingen 1911 aus der Asche gehoben, in die er allerdings nach einem am 8. Juli 1911 in Körprich gegen die dortige Borussia errungenen 1:0 Sieg zurückgekehrt zu sein scheint.”

Besonders vor der Gründung des Vereins waren die Bedingungen für das Fußballspiel alles andere als ideal. Der Ball hatte überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem, was man heute darunter versteht. Der erste „Lederball“ der Körpricher Kicker war ein gebrauchter von Diefflen, der durch Spenden der einzelnen Spieler günstig erworben wurde. Dass ein Ball überhaupt bis zum Schluss eines Spiels halten würde, konnten die Spieler damals eigentlich nur hoffen. Die Hülle und Blase waren derart von Flicken übersät, dass jedes Match zu einer regelrechten Zitterpartie wurde. Einheitliche Trikots waren ein Traum - meistens musste ein Hemd oder Unterhemd und als Fußballschuhe genagelte Arbeitsschuhe herhalten.
Für Aufregung sorgten auch die Polizisten und Feldhüter, die regelmäßig den Spielbetrieb unterbrachen. Da Körprich noch keinen eigenen Sportplatz besaß, trugen die Mannschaften ihre Spiele auf Äckern und Wiesen aus, was natürlich die Bauern verärgerte. Es soll auch vorgekommen sein, dass bis zu vier Wiesen notwendig waren, um ein einziges Spiel zu beenden!

Nach dem 1. Weltkrieg ab dem Jahr 1919 lebte die Begeisterung für den Fußballsport erst richtig auf. Mit Einwilligung der Gemeindeverwaltung stand von jetzt an ein fester Platz zur Verfügung, der komplett in Eigenleistung hergerichtet wurde. Er befand sich nahe der ehemaligen Total-Tankstelle Fürst. Viel Fleiß und Enthusiasmus waren nötig, den mehrfach durch die Prims weggespülten Platz immer wieder bespielbar zu machen. Der Sportsgeist half dem Verein über die wirtschaftlichen Krisenzeiten Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre hinweg.
Nach 1935 war der normale Fußballbetrieb infolge der politischen Umwälzungen nicht mehr gewährleistet. So bestand ein Fußballverein, allerdings ohne Fußballspiel, da die älteren Spieler fast ausnahmslos zur Wehrmacht eingezogen wurden. Durch die Jugend lebte der Verein zwischen 1941 bis 1943 wieder auf, als auf dem Platz der heutigen Schule neben der Kirche das Materiallager der Wehrmacht als Sportstätte genutzt weren konnte. Aber auch dieser Platz war nur ein Provisorium, und so zog man auf ein Wiesengelände der Kirchengemeinde in der Raiffeisenstraße. Hier wurde dann mit Begeisterung und Freude Fußball gespielt, aber ein Aufstieg aus der untersten Klasse war nie zu verzeichnen.


Verbandsspiel Körprich - Buprich 2:1 am 4. September 1927
Weber josef, Becker Hans, Petry Johann, weber Jacob, Veith Felix, Martin Emil, Birk Albert, Eisenbart Peter, Weber Willi, Görgen Max, Petry Willi

Nach dem 2. Weltkrieg wurden durch die Besatzungsmacht alle Vereine in der Gemeinde aufgelöst. Durch Antrag einer Genehmigung auf Vereinsgründung wurde der Verein neu belebt, der alte Name „Borussia“ musste aber durch „Fußballverein Körprich“ ersetzt werden.
Der neue Sportplatz, unmittelbar neben der heutigen Spielstätte gelegen, schuf die Voraussetzung für den Aufschwung des Körpricher Fußballs
in den 50er und 60er Jahren.
Durch die Rückkehr der Sportler aus Krieg und Gefangenschaft wechselte das Gesicht der 1. Mannschaft sehr häufig. Aktive und Jugend schlugen sich wacker in ihren Klassen, aber die Erfolge reichten bei allem Eifer nicht aus, um aus der untersten Klasse II aufzusteigen. Als 1950 eine neue Klasseneinteilung im SFB vorgenommen wurde, verhalf ein 2. Tabellenplatz zum Aufstieg in die Kreisklasse I. Leider konnte die Klasse nicht gehalten werden, und mit der Rückkehr in die Kreisklasse II fand der notwendige Umbruch der Mannschaft statt. Einige ältere Spieler schieden aus, und die Auffrischung mit jungen Kräften wirkte sich fördernd aus.

Anlässlich des 40jährigen Vereinsbestehens im Jahr 1952 erhielt der Verein wieder den alten Namen „Borussia“.


Meistermannschaft 1952/53
v.l.n.r. : Sanitäter Steiner, Trainer Hubert, Schwed Wilhelm, Lehnert Franz-Josef, Bonnaire Walter, Gresch Erich, Mees Anton, Lehnert
Richard, Bernardy Franz Rudolf, Weber Willibald, Reichert Theo, Bilsdorfer Johannes, Spurk Erwin

In der Spielzeit 1952/53 errang die erste Mannschaft den Titel und konnte  anschließend in der Kreisklasse I gut mithalten. Durch die Neueinteilung der Klassen wurde unsere Mannschaft der A-Klasse Mittelsaar zugeteilt, in der man sich spielerisch recht gut behauptete. 1958 wurde der Sportplatz an gleicher Stelle höhergelegt und neugebaut. In der Saison 1958/ 1959 konnte die erste Mannschaft mit 8 Punken Vorsprung die Meisterschaft in der A-Klasse Mittelsaar erringen, was den Aufstieg in die 2. Amateurliga West bedeutete. Dort gelang ihr sensationell und ungeschlagen der Durchmarsch zum erneuten Titelgewinn und den Aufstieg in die 1. Amateurliga Saar. Dadurch wurde Körprich bundesweit bekannt, war es doch in Deutschland der kleinste Ort in  der höchsten Amateurklasse.

Munter mischte unsere erste Mannschaft in der Spitzengruppe der ersten Amateurliga mit. Wie Presseberichten verschiedener Zeitschriften zu entnehmen war, wurde im 1500 Einwohner zählenden Dorf im Primstal einem gepflegtem, wenn auch kampfbetonten Stil gehuldigt. Die Spiele lockten Zuschauer aus der ganzen Umgebung an. Die beiden Heimspiele im DFB-Pokal zählen zu den besonderen Höhepunkten der Vereinsgeschichte. Mit einem knappen 1:2 verlor unsere Mannschaft gegen den SV Saar 05, der damals, ebenso wie der 1. FC Saarbrücken oder Borussia Neunkirchen, in der Oberliga, der höchsten deutschen Fußballklasse, spielte. Gegen den 1. FC Saarbrücken spielte man im November 1962 vor über 2000 zahlenden Zuschauern im DFB-Pokal und unterlag in einer spannenden Begegnung gegen die Profis knapp mit 0:2.

Sehr glücklich war man in dieser Zeit über die Fertigstellung der Umkleidekabinen.
Weniger erfreulich verlief die Spielsaison 1963/64. Trotz der gewonnenen Ausscheidungsspielen mussten wir durch eine Entscheidung am grünen Tisch den bitteren Gang in die 2. Amateurliga West antreten. Diese Klasse hielt man mit wechselnden Tabellenständen 7 Jahre bis 1970/71. Durch das Hochwasser der Prims 1965 wurde der Sportplatz völlig zerstört. Da ein Neubau aus finanziellen Gründen kurzfristig nicht möglich war, mussten die Heimspiele in der Rückrunde 1965/66 und der Hinrunde 1966/67 bei den Nachbarvereinen Bilsdorf, Nalbach und Hüttersdorf ausgetragen werden. Dennoch behauptete sich die Mannschaft lange sehr gut im Aufstiegsrennen zur 1. Amateurliga Saar, erreichte aber schlussendlich nur den 3. Rang.

In der Saison 1970/71 landete die neuformierte Mannschaft nur auf dem viertletzten Platz, was den Abstieg in die A-Klasse Westsaar zur Folge hatte.
In der Spielsaison 1971/72 wurde unsere verjüngte Mannschaft in der neuen, unterklassigen Liga durchgereicht und stieg nach der 0:1 Niederlage gegen Schwalbach erneut ab, diesmal in die B-Klasse.

Drei Jahre benötigte der Verein, sich wieder neu aufzustellen. Mit zwei aufeinanderfolgenden Meisterschaften in den Spielrunden 1975/76 und 1976/77 gelang der Durchmarsch in die Bezirksliga West.


Meistermannschaft 1975/76


Meistermannschaft 1976/77

1979 erfolgte eine Neueinteilung der Klassen, die C-Klassen wurden aufgelöst und unser Verein der Landesliga Südwest zugeordnet, in der wir uns sechs Jahre behaupteten. Ab 1984 ging es dann kontinuierlich bergab. Ein Abstieg folgte dem anderen, sodass nach der Saison 1987/88 mit dem Abstieg in die Kreisliga B der sportliche Tiefpunkt erreicht war. Erst nach elf Jahren Ligazugehörigkeit hatte man die große Möglichkeit, wieder in die A-Klasse aufzusteigen, verpasste den Aufstieg aber durch ein bitteres 2:3 im Entscheidungsspiel gegen Schwarzenholz. Ein Jahr später war es dann soweit und der Verein feierte seine Meisterschaft und den Aufstieg in die A-Klasse.


Meistermannschaft 2000/01

Die Weiterentwicklung des Vereins in den Jahren 2000 bis 2012
1. Vereinsvorsitzender ist seit 2005 Friedolin Bonnaire, der das Amt in einer für den Verein auch finanziell schwierigen Phase von seinem Vorgänger Siegfried Sinnwell übernahm.
Die Gründung der Spielgemeinschaft Nalbach-Piesbach bei gleichzeitiger Errichtung des Rasenplatzes in Piesbach im Jahr 2004/05 hatte eine Abwanderung von ca. 40 Jugendspielern zur SG Nalbach-Piesbach zur Folge, was den Druck auf den Klub erhöhte.
Die Gründung der Spielgemeinschaft mit dem SSV Bilsdorf zur SG Körprich-Bilsdorf im Jahr 2005 war eine notwendige Maßnahme zur Zukunftssicherung beider Vereine. In der Folge stabilisierte sich der Verein durch hervorragende Vorstandsarbeit und steht heute auf gesundem Fundament. Das gilt für die Zahl der Mitglieder, der Aktiven und Jugendlichen, wie auch für die gesunde Finanzstruktur. Die Gründung eines Förderver-eins Anfang des Jahres 2012 wird, so hofft man jedenfalls, zur langfristigen Existenzsicherung der SG und der Borussia beitragen.

Pünktlich zur Feier des 100jährigen Bestehens des Vereins freuen wir uns über die Meisterschaft in der Bezirksliga Merzig-Wadern und den damit verbundenen Aufstieg in die Landesliga West.